Ich bin nicht von der Stange!


Nun, jetzt möchte ich euch etwas über mich erzählen. Ich heiße Christiane, bin 35 Jahre alt und komme aus dem schönen Rheingau.
Bei mir begann es eigentlich schon ziemlich früh, dass sich mein Körper veränderte. Ich war mit 10 Jahren bereits in der Pubertät und das war auch der Zeitpunkt, an dem sich mein Körper veränderte.
Im Grunde war ich immer ein fröhliches Kind. Bin gerne auf Bäumen herumgeturnt, habe Sport gemacht, war gerne und viel mit Freunden draußen. Eben ein ganz normal Kind.
Aber ich war immer die kleine, pummelige Christiane, mit den Pausbacken und den Speckröllchen!!
Bemerkt habe ich es erst so mit 15/16 Jahren, das mein Körper nicht so ist, wie der meiner Freundinnen. Ich habe festgestellt, dass das Verhältnis Oberkörper zu Unterkörper eigentlich absolut nicht zusammenpassen. Das war auch die Zeit, in der ich angefangen habe, unzählige Diäten zu machen. Von FDH über Trennkost. Weiter zu Null-Diät, Ananas-Diät, Hollywood-Diät, Almased, Slim Fast und wie sie nicht alle heißen.
Ich war sogar 6 Wochen in Kur zur Gewichtsreduktion, aber auch hier blieb der Erfolg auf der Strecke, denn ich empfand es eher als Verschlimmerung.
Viele Sportarten habe ich ausprobiert. Auch jede, die sehr teuer sind. Die einzige Art Sport zu machen und mir immer das Gefühl von Freiheit und Schwerelosigkeit gegeben hat, war Schwimmen. Hier fühlte ich mich leicht und Bewegungen waren sehr einfach auszuführen.
Trotz des ganzen Sports und der Diäten ist mein Körper irgendwann „explodiert“ und so ging ich ins Fitnessstudio und machte 4-5x die Woche Sport. Dachte, dass es jetzt die Lösung ist und ich nur so dick bin, weil ich nie gelernt habe, richtig und gesund zu essen.
Der Erfolg lies auch nicht lange auf sich warten, jedoch bekam ich immer mehr Probleme mit den Beinen. Sie wurden immer dicker und abends bin ich die Decke hochgegangen. Als es dann so schlimm war, dass mir Laufen angefangen hat weh zu tun und ich Treppen kaum noch hochkam, bin ich endlich zum Arzt, der mir bereits mit 26 Arthrose in beiden Knien diagnostizierte.
Resultat: weitere Geschwülste wucherten an Arme und Beine und jetzt, bereits mit 34 Jahren, kann ich nicht mal mehr in die Hocke gehen.
2014 dann endlich DIE Diagnose. Bei einem Arztwechsel und der dazugehörigen Vorstellung bei der Ärztin dann die Diagnose LIPÖDEM, die auch 3 Wochen später von meinem Phlebologen bestätigt wurde.
Ich bekam 2x die Woche Lymphdrainage und auch gleich eine Kompressionsversorgung.
Anfangs fand ich es schon sehr schlimm, die Lymphdrainage in den Alltag einzubauen und auch täglich die Kompressionsversorgung zu tragen. Bei 36 Grad im Schatten, wenn andere Frauen sich in der Sonne aalen, ziehe ich brav die Strumpfhose an.
Jetzt, nach über 3 Jahren, freue ich mich auf meine Physiotherapeutin und aufs Tragen meiner Kompressionsstrumpfhose.
Ziemlich schnell lernte ich aber mit der Situation umzugehen und zog dennoch das Positive aus der ganzen Sache. Abkapseln ist der falsche Weg und ich fühle mich gleich stärker, wenn ich mit meiner Schwäche offen umgehe.
Ich ging im September 2014 zur Reha und fing an, von meiner Krankheit und den dazugehörigen Erfahrungen zu berichten und rief „MISS LIPO“ ins Leben.
Bei Facebook, in diversen Gruppen, fand ich tolle Frauen, die ich auch später bei Projekten persönlich kennenlernen durfte und die heute zu meinen Freunden zählen.
Ich habe schon ziemlich früh beschlossen, trotzdem glücklich zu sein und immer positiv zu denken. Lachen und anderen bei Ihrem Weg zu helfen.
Ebenso kämpfe ich für die Aufnahme der Liposuction in den Leistungskatalog der Krankenkassen, denn diese wird uns noch verweigert, obwohl es die einzige Möglichkeit ist, vom krankhaften Fett dauerhaft befreit zu werden.
Ich bin froh, die besten Eltern der Welt zu haben, die tollsten Freunde, die man sich wünschen kann und den besten Mann an der Seite zu haben, der mir auch in den schlimmsten Momenten immer ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Jene Menschen, die an mich glauben und immer für mich da sind.